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Reportage über Medikationsmanagement in einer Thüringer Arztpraxis

Arzneimittelinitiative ARMIN – Ein Modell zur optimalen Behandlung

01.08.2017

Antje und Dr. med. Norbert Strzata

Wer über sanfte Hügel nach Kapellendorf hineinfährt, begreift, warum das Weimarer Land von manchen die „Toskana des Ostens“ genannt wird: Ein ruhiges Dörfchen im Tal eines kleinen Baches, beherrscht von der historischen Wasserburg in der Ortsmitte und geprägt von einem Lebensrhythmus, der von selbst ruhig und gelassen macht. Zu spüren ist diese Gelassenheit auch in Hausarztpraxis Antje und Norbert Strzata: mit Vater Norbert, der schon seit Jahrzehnten Patienten aus rund 15 Dörfern und der nahen Kreisstadt Apolda behandelt, als ruhendem Pol und Tochter Antje, die die Praxis schrittweise übernimmt, als dynamischem Zentrum. Auch mit den Apotheken der Umgebung pflegt die Praxis seit Jahren guten Kontakt. Die Arzneimittelinitiative ARMIN, an der sich Antje und Norbert Strzata von Anfang an beteiligt haben, bietet hierfür eine neue Möglichkeit.

„Ich will, dass die Patienten wissen, worauf Sie sich einlassen.“

Rund 30 Patienten, vor allem ältere Menschen, die mehrere Medikamente einnehmen müssen, haben sich für das Medikaktionsmanagement, das Herzstück von ARMIN, eingeschrieben. Sie zu überzeugen, fiel Antje Strzata nicht schwer: „Das geht, wenn man es anbietet und richtig erklärt“, sagt sie. „Ich sage den Patienten, dass es bei ARMIN um ein Modell zur optimalen Behandlung geht, mit dem Ziel, Überdosierungen und Wechselwirkungen von Arzneimitteln zu vermeiden. Ich weise auch immer darauf hin, dass die Teilnahme freiwillig ist und dass man das Medikationsmanagement auf Wunsch auch wieder beenden kann. Ich will, dass die Patienten wissen, worauf sie sich einlassen.“ Hierzu gehört für Antje Strzata auch, die Patienten darüber aufzuklären, dass ihre Daten durch das sichere Netz der KVen geschützt sind.

Diese Offenheit wirkt. Auch mit den Apotheken – zurzeit sieben, zwei weitere kommen demnächst hinzu – kooperiert die Praxis auf Augenhöhe: „Durch ARMIN ist diese Kooperation sogar besser geworden“, sagt die Ärztin, „die Patienten haben den Vorteil, dass ihnen ihre Medikation sowohl bei mir als auch in der Apotheke erklärt wird.“

Auch für den Arbeitsablauf in der Praxis sieht Antje Strzata, die viel bei Hausbesuchen unterwegs ist, durch ARMIN vor allem Vorteile: „Ich kann die Medikationspläne pflegen, wenn ich Zeit habe. Die Kommunikation mit den Apotheker über den Medikationsplanserver erspart viele Telefonate.“ Spart sie durch ARMIN auch Arzneimittel ein? Eher nicht, sagt sie, aber Dosierungen habe sie schon bei mehreren Patienten korrigiert und sieht ARMIN damit auch als ein gutes Instrument zur Qualitätssicherung: „Gut, dass wir auf diese Weise immer wieder gezwungen sind, selbstkritisch auf unsere Arbeitsmethoden zu achten.“

Software-Problem des Medikationsmanagements selbst gelöst

Dass Antje und Norbert Strzata die Vorteile der Arzneimittelinitiative und vor allem des Medikationsmanagements nutzen können, verdanken sie einem außergewöhnlichen Alleinstellungsmerkmal ihrer Praxis: Dr. med. Norbert Strzata ist nicht nur Allgemeinmediziner mit Leib und Seele, sondern seit Jahrzehnten auch leidenschaftlicher Technik-Fan und Hobby-Programmierer. Schon Anfang der 1990er Jahre, als die ersten Praxisverwaltungssysteme auf den Markt kamen, programmierte er sein eigenes PVS und ließ es zertifizieren. Mit diesem im Laufe der Zeit immer wieder aktualisierten und neu zertifizierten PVS arbeitet die Praxis bis heute.

Dadurch konnte Dr. Strzata auch ein Problem lösen, an dem die meisten der 180 deutschen PVS-Hersteller bisher offenbar immer wieder scheitern: Er schafft es, zwischen PVS und Medikationsplanserver eine stabile Verbindung aufzubauen und zu halten. Dafür hat er zwei kleine Patches (Zusatzmodule) programmiert, die bei den handelsüblichen ARMIN-Modulen fehlen. Das erste synchronisiert bei der Einwahl auf den Medikationsplanserver die Uhrzeit von PVS und Server. Das zweite sendet über den Router regelmäßig ein kurzes Signal auf den Server, um zu verhindern, dass die Verbindung nach 15 Minuten inaktiv geschaltet wird und bei jeder neuen Nutzung neu aufgebaut werden muss. Das Problem der meisten anderen ARMIN-Praxen, dass mit dem Medikationsplanserver nur selten eine stabile Verbindung zustande kommt, hat die Praxis Strzata dadurch nicht.

Warum die handelsüblichen Praxisverwaltungssystemen am ARMIN-Server scheitern, kann Dr. Strzata nicht erklären: „Meine beiden Programme sind mit jeweils 20 Kilobyte nicht groß und ganz simpel“, versichert er und bietet seinen Kollegen an, sie ihnen zur Verfügung zu stellen. Die Vorteile von ARMIN seien das wert.

Veit Malolepsy, kvt