Sie befinden sich hier: ARMIN » Über ARMIN » Aktuelle Nachrichten » ARMIN-Projektpartner ziehen Zwischenbilanz und suchen Gespräch mit der Politik

ARMIN-Projektpartner ziehen Zwischenbilanz und suchen Gespräch mit der Politik

18.06.2018

Innovativ, sektorenübergreifend und wirkungsstark: So lassen sich die bisherigen Erfahrungen mit der Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen (ARMIN) in drei Worten zusammenfassen. Nach gut vier Jahren ARMIN ziehen die fünf Projektpartner eine Zwischenbilanz und benennen in dem Zusammenhang Herausforderungen für die Politik, die Selbstverwaltung und die Industrie, um ARMIN bzw. das Medikationsmanagement am Ende der Modellaufzeit in die Regelversorgung überführen zu können. Zum heutigen 11. Gesundheitsforum Sachsen – Thüringen werden die grundsätzlichen Herausforderungen den anwesenden Fachleuten vorgestellt. Die Forderungen sollen Anstoß sein, seit längerem bekannte Defizite bei der sektorenübergreifenden Versorgung zu beheben.

Zu den Adressaten des Papiers zählen unter anderem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, die Mitglieder des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag, die zuständigen Sozialministerien in Sachsen und Thüringen, die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband. Ziel der fünf ARMIN-Vertragspartner ist es, aufgrund der gesammelten Erfahrungen den Weg für die zukünftige Patientenversorgung zu ebnen.

Der Erfolg von ARMIN spricht für sich. „Auch wenn wir aktuell erst im Planungsprozess für die Evaluation sind, wissen wir bereits aus den Gesprächen mit unseren Patienten, dass sich durch ARMIN deren Vertrauen in die Arzneimitteltherapie erhöht und damit auch deren Therapietreue verbessert hat“, meint Thomas Dittrich, Vorsitzender des Sächsischen Apothekerverbandes e. V.. „Wie erwartet, konnten wir falsche Medikamenteneinnahmen, das betrifft sowohl die Tageszeit wie auch die Art der Einnahme, bei vorrangig älteren Patienten aufklären oder unerwünschte Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt ausschließen. Kurzfristig ist dies ein gesundheitlicher Mehrwert für den einzelnen Patienten, langfristig ein wirtschaftlicher für die gesamte Solidargemeinschaft.“

„Mit ARMIN leisten wir eine wichtige Vorarbeit für die Kooperation von Ärzten und Apothekern bei der Erstellung von Medikationsplänen und damit für die Steigerung der Therapiesicherheit“, sagt die 1. Vorsitzende des Vorstandes der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen, Dr. med. Annette Rommel: „Damit davon möglichst viele Patienten bundesweit profitieren können, müssen jedoch nochtechnische Hürden genommen und gesetzliche Regelungen getroffen werden. Darüber müssen wir mit den Verantwortlichen in Politik und Industrie sprechen. Das wäre auch im Interesse anderer innovativer Modellprojekte, die höchstwahrscheinlich mit denselben Widrigkeiten kämpfen.“

Beispielsweise lautet eine Forderung, die Durchführung von pharmazeutischen Dienstleistungen in der Regelversorgung zu ermöglichen. „Damit unsere Patienten auch nach der Modelllaufzeit von den Vorteilen des ARMIN-Medikationsmanagements profitieren können, müssen die derzeit geltenden Regelungen im Sozialgesetzbuch für Ärzte wie auch für die Apotheken erweitert werden“, erklärt Rainer Striebel, Vorstandsvorsitzender der AOK PLUS.

Ein weiterer Aufruf bezieht sich auf den mit dem E-Health-Gesetz eingeführten bundeseinheitlichen Medikationsplan, der bei weitem nicht die ihm angedachte Rolle einnimmt. „Es müssen technisch und organisatorisch einheitliche Rahmenbedingungen erarbeitet werden, damit der elektronische Medikationsplan sektorenübergreifend, d.h. unabhängig vom jeweiligen Softwaresystem des Heilberuflers, genutzt werden kann“, erklärt Stefan Fink, Vorsitzender des Thüringer Apothekerverbandes e. V.

Hinzu kommt, dass es derzeit in den Softwaresystemen der Leistungserbringer mehrere nebeneinander existierende Medikationsplanformate gibt, die in der Regel nicht miteinander interagieren. „Um die Akzeptanz elektronischer Medikationspläne zu erhöhen und entsprechend für alle beteiligten Heilberufler nutzbar zu machen, müssen Medikationsdaten verarbeitende E-Health-Anwendungen grundsätzlich auf einem einheitlichen Medikationsplanformat basieren“, so Dr. Klaus Heckemann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen.

Weitere Anforderungen beziehen sich auf die Schaffung von Rahmenbedingungen für einheitliche Arzneimittelinformationen, die Senkung bürokratischer Hürden bei der Durchführung von Modellprojekten, die gesetzliche Anpassung für die bundesweite Etablierung einer Wirkstoffverordnung sowie die anwenderfreundliche Gestaltung von Softwarelösungen.

In ARMIN wurden bisher über drei Millionen Wirkstoffverordnungen ausgestellt. Rund 3.500 Patienten werden aktuell im ARMIN-Medikationsmanagement betreut.